Bürgerinitiative gegen die Verlegung der B74 in die Hammeniederung

Wir wehren uns gegen die Zerstörung von Umwelt, Naherholungsgebieten und Wohngebieten durch ein mittlerweile sinnlos gewordenes Straßenbauprojekt.


Wir fordern die Umsetzung nachhaltiger, dem demografischen Wandel angepasster Alternativen in der Infrastruktur und Ortsentwicklung.

Konzepte aus dem vergangenen Jahrtausend

Geht es nach dem Willen der Lokal- und Landespolitik, sollen in der Hammeniederung Konzepte anno 1988 in Beton gegossen werden.

 

Anfang der 80er Jahre geplant - am Bedarf der 90er ausgerichtet - soll die B74n im Jahr 2015 erneut in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden. Je nach Priorität würde dann frühestens ab ca. 2020 gebaut.

 

Dabei ist das Konzept der Straße ebenso überholt wie die ihr zugrunde liegende Planung.

Eine wesentliche Fehleinschätzung der damaligen Planung liegt in der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung. Zum Zeitpunkt der Bedarfsermittlung für die Umgehungsstraße ging man von stetig wachsender Bevölkerung in den ländlichen Gebieten aus.

Diese Annahme ist mittlerweile falsch!

 

In einer Studie zur Bevölkerungsentwicklung (weitere Informationen) hat der Landkreis festgestellt:

  • Seit dem Jahr 2005 sinkt die Bevölkerungszahl im Landkreis.
  • Besonders stark ist die Altersgruppe der Berufspendler betroffen.
  • Bis zu 28% Rückgang sind für 2030 prognostiziert.

    (Altersgruppe „25 bis 49 Jahre")

Gerade in den ländlicheren Teilen des Landkreises findet der rasanteste Rückgang statt. Ausgerechnet hier liegt die Quelle des täglichen Pendlerverkehrs in Scharmbeckstotel und Ritterhude - diese Quelle verebbt.

 

Bereits 2003 hat das Bundesministerium für Verkehr keine nennenswerten Effekte zur Entlastung der Ortsdurchfahrten in Scharmbeckstotel und Ritterhude durch die B74n feststellen können. Sehr wohl wurde jedoch ein sehr hohes Umweltrisiko festgestellt. Seitdem herrscht Planungsstillstand für Alternativen – und die wären vielfältig (vergl. Alternativen).


Wir fordern eine dem demografischen Wandel angepasste Ortsentwicklung und eine darauf abgestimmte Verkehrspolitik.


Die Ansiedlung neuer Geschäfte zur Nahversorgung in den Ortschaften ist dringend erforderlich und kann nur durch Integration – nicht durch Ausschluss – des Verkehrs stattfinden.
Zaghafte Versuche die Mobilität von älteren und jungen Menschen zu verbessern müssen dringen in einen umfangreichen Ausbau des ÖPNV übergehen. Trotz vorhandener Bahnstrecke fehlt bis heute eine S-Bahn mit Haltepunkten z.B. in Scharmbeckstotel, Marßel und Worpswede. Auch der Busverkehr wie z.B. die Linie 680 oder der „Einkaufsbus“ muss weiter ausgebaut werden.


Lange ausstehend sind Verbesserungen im Verkehrsfluss durch z.B. optimierte Ampelschaltungen in Scharmbeckstotel, Kreisverkehre an der Einmündung der L151 oder „Auf der Heide“, sowie eine Unterführung am Bahnübergang um die Rally durch den einspurigen Tunnel „Am Großen Geeren“ zu unterbinden.


Die notwendigen Maßnahmen sind vielfältig und wurden bereits politisch erörtert – Lösungen werden jedoch durch das Festhalten an überholten Planungen für die B74n blockiert. Generationengerechte Lösungen rücken dadurch sogar noch weiter in die Ferne.


Ein im Jahre 2003 bereits gescheitertes Projekt wird von der lokalen Politik für 2015 unverändert ins Rennen geschickt - und das bei sinkendem Bedarf.

 

Auf dieser Grundlage ist eine Zerstörung der Hammeniederung bei Ritterhude und Scharmbeckstotel unverantwortlich!

Was soll geopfert werden?

Betroffen ist eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Nordwestdeutschlands. Als Teil eines Vogelschutz- und eines Fauna-Flora-Habitat (FFH) Gebietes gehört die Hammeniederung zum ökologischen Netz der Natura2000 Gebiete der Europäischen Union.

 

Die Trasse soll durch ein EU Vogelschutzgebiet und ein Landschaftsschutzgebiet geführt werden.

Eine Karte dazu ist im Streckenverlauf einsehbar.

 

Auf dem Spiel stehen Brut- und Rastgebiete von Wiesen-, Wasser-, und Sumpfvögeln sowie der Lebensraum zahlreicher auf Feuchtgebiete angewiesener Tier- und Pflanzenarten. (weitere Umweltaspekte)

 

Zahlreiche Bürger und Besucher des Landkreises schätzen das betroffene Gebiet als Naherholungsgebiet. Landkreis und Gemeinde werben mit den naherholerischen und touristischen Reizen des Gebietes.

Wertvolle Erholungs- und Anziehungspunkte der Region (weitere Tourismusinformationen) sollen geopfert werden.

 

Zu allem Überfluss werden bisher attraktive Wohngebiete zerstört und entwertet.

 

All das wird geopfert, ohne nennenswerte Entlastung der aktuell betroffenen Bürger zu schaffen. (weitere Verkehrsaspekte) 

 

Wofür soll geopfert werden - worum geht's?

Vordergündig wird seit Jahrzehnten von Entlastung der betroffenen Anwohner in Scharmbeckstotel und in Ritterhude gesprochen.

Mit dieser Argumentation wird auch jetzt wieder auf den Bau der Umgehung begründet. Teile der regionalen und überregionalen Politik forcieren den Bau und die Presse berichtet – es geht um Entlastung der betroffenen Bürger und es geht um Ampelstau in Scharmbeckstotel während des Berufsverkehrs.


„Die Verlegung der B74 ist aus zwingenden Gründen des überwiegend öffentlichen Interesses erforderlich.“ So heißt es in der Begründung zur Meldung des Projektes in den Bundesverkehrswegeplan und in diese Richtung geht auch die Berichterstattung.
Unerwähnt bleibt, dass es einen weiteren Befürworter der Ortsumgehung gibt:
Die Industrie und Handelskammer (IHK) Stade. Ihr geht es um Stärkung ihres Wirtschaftsstandortes, obwohl sich aus der Straße keine zusätzlichen Handelsbeziehungen zu Bremen ergeben.

 

Verkehrsgünstig gelegen, an der B74, wurde in Scharmbeckstotel die Ansiedlung eines Netto Marktes beschlossen. Begründet wird das mit dem demografischen Wandel. Die Größe des Marktes ist auf den Durchgangsverkehr ausgelegt - Einkauf auf dem Nachhauseweg spielt in der Planung eine wichtige Rolle.
Damit der tägliche Ampelstau (3 Ampeln auf etwa 300m) nicht weiter zunimmt, wurde jetzt endlich ein Verkehrsgutachter bemüht. Im Ergebnis wurde eine verträgliche Lösung auf Basis einer geänderten Ampelschaltung vorgestellt. Man erwartet davon Verbesserungen im Verkehrsablauf.


Jahrelang ist die Situation beklagenswert und die Anwohner werden mit einer Umgehungsstraße vertröstet. Kommt ein Investor, wird ein Gutachten erstellt und schon ist eine Lösung gefunden die Besserung verspricht.
Worum geht’s? Bürgerinteressen?

 

In Ritterhude deutet sich ähnliches an. Vor Jahren wurde die Riesstraße aufwändig umgearbeitet. Damals sollte der LKW Verkehr aus der Straße verbannt und insgesamt eine Verlagerung auf andere Straßen herbeigeführt werden. Heute plant man die Belebung der Ortsmitte durch Ansiedlung eines Marktplatzes. Mit ca. 4000m² Verkaufsfläche für Ritterhude allein zu groß und somit auf Durchgangsverkehr ausgelegt. Für die Riesstraße werden kapazitätserweiternde Maßnahmen notwendig.

 

Die Riesstraße wird durch den Marktplatz für den Durchgangsverkehr attraktiver. Gleichzeitig soll eine Umgehung für Entlastung sorgen?
Insgesamt könnte man den Eindruck bekommen, dass für die Entwicklung des Ortszentrums kein klares Konzept vorliegt.

 

Außerdem wurde bereits im Raumordnungsverfahren 1999 festgehalten:

"Ein Rückbau der B74 in den Ortslagen Ritterhude und Scharmbeckstotel sowie ein Rückbau der L151 (Riesstraße) in Ritterhude sind Voraussetzungen für die prognostizierten Entlastungswirkungen durch eine Ortsumgehung in diesen Bereichen. Bleibt die bauliche Situation dort jedoch unverändert, ist die erhoffte Entlastungswirkung fraglich".

 

Fazit des politischen Handelns:

  • Scharmbeckstotel und Ritterhude erhalten sich Durchgangsverkehr durch Ansiedlung von Einzelhandelsflächen.
  • Scharmbeckstotel und Ritterhude wollen große Teile ihre Schutz- und Naherholungsgebiete zugunsten der Umgehungsstraße opfern.
  • Scharmbeckstotel und Ritterhude schaffen neue Belastungen in Teilen bisher ruhiger Wohngebiete.


Sind Scharmbeckstotel und Ritterhude wirklich gewillt dieses Opfer zu leisten?

 

B74 Nein Danke!
Bürgerinitiative gegen den Bau einer sinnlosen Umgehungsstraße in den

Hammewiesen.

 

Gegen die weitere Zerstörung von Natur, Naherholungs- und Wohngebieten.

 

Für eine nachhaltige und generationengerechte Verkehrspolitik und Ortsentwicklung.

 

Mitglied im Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V. (LBU)

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Gemeinsam gegen die B74n

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